Infoportal Glyphosat

Sicherheitsbewertung und Verwendung von Glyphosat-haltigen Herbiziden in Europa

Menu
Suchen

Die wirtschaftliche Bedeutung von Glyphosat-haltigen Herbiziden: Fallstudien in Großbritannien und Deutschland

In aktuellen Studien haben Wissenschaftler analysiert, welche Auswirkungen ein Verzicht auf Glyphosat für die Produktionskosten bestimmter Nahrungsmittel in Deutschland und England haben könnte und welche Folgen sich daraus für den europäischen Handel mit bestimmten Kulturarten und Zucker ergeben.

Die Erträge bei Raps sind von einer effektiven Unkrautbekämpfung stark abhängig. Unkräuter wie der Acker-Fuchschwanzgrases (Alopecurus myosuriodes) machen den Landwirten große Probleme. Ohne eine Bekämpfung mit glyphosat-haltigen Herbiziden würde die Rapsproduktion in Deutschland um etwa 5 Prozent einbrechen 6. Beim Mais prognostizieren die Wissenschaftler sogar Ernteverluste bis zu 10 Prozent. Alternative Herbizidwirkstoffe wie Deiquat und Glufosinat sind nicht effektiv genug, da sie gegen sehr kleine oder sehr große mehrjährige Unkräuter kaum wirken. Mit ihnen können die Landwirte z.B. eines der häufigsten Unkräuter im Mais, die Gemeine Quecke (Elymus repens), nicht in den Griff bekommen.

Heute werden in Nord- und Ostdeutschland  auf etwa dreiviertel der Feldfläche  glyphosat-haltige Herbizide eingesetzt.  In der Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass ohne Verwendung dieser Herbizide in diesen Regionen der Anbau einiger Kulturarten eventuell ganz eingestellt werden muss. Insbesondere der Anbau von Zuckerrüben wäre betroffen, da Landwirte auf diesen Felder insbesondere den Durchwuchs mit Ausfallraps bekämpfen müssen. Ohne den Einsatz von Glyphosat-haltigen Herbiziden werden Ertragsverluste von 30 bis 40 Prozent erwartet 6. Für Landwirte wäre der Zuckerrübenanbau damit nicht mehr rentabel.

Eine eingeschränkte Nutzung Glyphosat-haltiger Herbiziden hätte auch Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas am weltweiten Zuckerhandel. (© Michael Ottersbach/ pixelio.de)

In Deutschland setzten Landwirte Glyphosat-haltige Herbizide hauptsächlich nach der Ernte zur Unkrautkontrolle auf Stoppelfelder ein. In Großbritannien beispielsweise werden Glyphosat-haltige Produkte auch häufig kurz vor der Ernte zur Trocknung und schnelleren Abreifung der Getreide- und Rapskörner eingesetzt. Im eher feuchten Klima Großbritanniens würde ein Verzicht auf diese Anwendung zu einem erheblichen Anstieg der Kosten für die Trocknung des Korns führen. Durch diese Vorerntebehandlung können die Landwirte auch Unkräuter im Feld bekämpfen, die bei Winterweizen und Raps Ernteverluste von bis zu 20 Prozent verursachen können 2.

Der größte Kostenanstieg bei Verzicht auf Glyphosat-haltigen Herbiziden würde jedoch durch das Pflügen entstehen, zu dem viele Landwirte zur Unkrautbekämpfung vermutlich wieder zurückkehren würden. Die Treibstoff- und Maschinenkosten sowie der höhere Zeitaufwand könnten die Produktionskosten für verschiedene Kulturarten in Deutschland um 8 bis 30 Euro pro Hektar verteuern. In diesem Fall würde die Gewinnmarge der Landwirte selbst bei stabilen Ernten um 7 Prozent sinken. Steigende Erzeugerpreise würden sich auch negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft auswirken. Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge könnte der Anteil europäischer Agrarprodukte wie  Mais, Weizen, Raps und Zucker auf den Weltmärkten um 2 bis 4 Prozent fallen 6.

 

Quellenangaben

Letzte Aktualisierung: 10. Dezember 2012