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Kein Glyphosat-Verbot in Sri Lanka

© iStockphoto.com/ galdzer

Jayasumana et al. stellen die Hypothese auf, dass sich der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat in der Nahrung mit nierenschädlichen Metallen verbindet und Glyphosat-Metall-Komplexe bildet, die nach Aufnahme in den Körper in die Nieren wandern und dort zu chronischen Nierenerkranken führen.

Es liegen keine epidemiologischen oder Tierstudien vor, die einen solchen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Glyphosat-haltigen Produkten und Nierenerkrankungen andeuten. Die Autoren sprechen von einem "vermuteten" Zusammenhang, der "in den letzten zwei Jahrzehnten von Wissenschaftlern nicht näher untersucht wurde". Auch wenn Spekulationen Bestandteil der Wissenschaft sind, müssen diese jedoch untersucht und ihre praktische Anwendung nachgewiesen werden. Es wurden aber keine neuen Daten geliefert, die diese These belegen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Hypothesen. So haben bereits frühere Studien das Auftreten von Nierenproblemen mit landwirtschaftlicher Arbeit, dem Einsatz von Pestiziden, Dehydrierung, den Kontakt mit Kadmium und andere Faktoren postuliert.
 
Ein von dem Ministerium für Gesundheit von Sri Lanka und der Weltgesundheitsorganisation unterstütztes nationales Team von Wissenschaftlern ist über mehrere Jahre den Ursachen und möglichen Behandlungen von chronischen Nierenerkrankungen unbekannter Ursache (CKDu) auf den Grund gegangen. In ihrem neuesten Bericht kommen die Forscher zu dem Schluss, dass "verschiedene Faktoren eine Rolle in der Entstehung von CKDu spielen könnten", darunter Kontakt mit Blei, Arsen und insbesondere Kadmium, sowie die Nutzung verunreinigten Grundwassers, übermäßige Aufnahme von Fluoriden, Selenmangel, genetische Veranlagung, das Geschlecht, Alter und die bereits bekannte Verbindung zwischen landwirtschaftlicher Tätigkeit und der Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln. Allerdings ist nicht klar, ob die Verbindung mit Pflanzenschutzmitteln ein Kausalzusammenhang ist oder nur ein Hinweis auf die in der landwirtschaftlichen Arbeit vorkommende Exposition ist.
 
Kurze fachliche Stellungnahme:
1)    Das Auftreten von chronischen Nierenerkrankungen unbekannter Ursache (CKDu) wurde im vergangenen Jahrhundert an einer Vielzahl von unterschiedlichen Orten berichtet, wobei viele Krankheitsfälle vor der Entdeckung und Anwendung von Glyhosat (1974) lagen. Es wird allgemein angenommen, dass CKDu auf multiple Faktoren zurückzuführen ist. Dazu gehören unter anderem Schwermetalle, Pflanzentoxine, Infektionen und Dehydrierung (Soderland et al). Außerdem gelten weitere Belastungsfaktoren wie die Arbeit in der Landwirtschaft, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Alkoholkonsum, Harnwegsinfektionen, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Kontakt mit Vulkanasche, Schlangenbisse, hartes Wasser und auch familiäre Vorbelastung als Risikofaktoren für CKDu. Die kausalen Zusammenhänge bei CKDu zu entwirren ist angesichts der vielen, eng verknüpften Faktoren (frühere landwirtschaftliche Tätigkeit, Einsatz von Pestiziden, Dehydrierung und Schlangenbisse) äußerst schwierig.
 
2)    Die von Jayasumana et al. aufgestellten Behauptungen bezüglich Glyphosat und Nierenerkrankungen sind gänzlich spekulativ. Es werden Vermutungen dahingehend angestellt, dass in hartem Wasser vorkommende Metalle in Verbindung mit einem anderen unbekannten Faktor, „Stoff X“ die Ursache von CKDu sein könnte. Die Autoren gehen davon aus, dass dieser Faktor eine in der Landwirtschaft eingesetzte Chemikalie sein muss, welche sich an Schwermetall(e) bindet (Komplexbindung), was in einer vermehrten Metall-Aufnahme resultiert. Diese Metall(e) werden dann zu den Nieren transportiert, reichern sich dort an und verursachen Nierenerkrankungen. Es fehlen jedoch Beweise, die diese These stützen, und trotz der Ausführungen von Jayasumana et al. gibt es keinen Nachweis über die Bildung von großen stabilen Metall-Komplexverbindungen und Glyphosat.
 
3)    Pflanzen enthalten eine Vielzahl an Verbindungen, die wesentlich stärkere komplexbildende Eigenschaften besitzen als Glyphosat. Natürliche, in der Ernährung vorkommende Verbindungen sind beispielsweise sehr viel wahrscheinlichere  Kandidaten für eine Komplexbildung mit Schwermetallen (Harris 2012).

4)    Weitere Informationen über die Sicherheit von Glyphosate liefert ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2004 über die Rückstände von Pestiziden in Lebensmitteln. Glyphosat wurde bereits 2002 von der EU offizielle bewertet und wird aktuell erneut überprüft. Die Schlussfolgerungen der Bewertung durch die EU aus dem Jahr 2002 wurden in dem Entwurf zur Neubewertung des gesundheitlichen Risikos von Glyphosat durch den deutschen Berichterstatter (BfR) bestätigt.

5)    Im Urin von CKDu-Erkrankten (Jayatilake et al) gefundene Rückstände von Glyphosat (und AMPA) liegen weit unterhalb der Werte, die auf eine Exposition hindeuten, welche eine chronische toxische Wirkung bei Tieren auslösen könnten. In 96,5 Prozent der CKDu-Fälle lagen die nachgewiesenen Glyphosatwerte unterhalb des für Urin ausgewiesenen Referenzwertes. Weiterhin ist an dieser Studie auffällig, dass die Arbeit in Reisfeldern nicht mit dem Auftreten von CKDu in Verbindung gebracht wird. Dies steht im Widerspruch zu der Behauptung, die als Grund für CKDu  die Arbeit im Reisanbau anführen. Ein Mangel an Selen und die familiäre Vorbelastung mit Niereninsuffizienz sind dagegen beides Risikofaktoren für CKDu, die auf ernährungsbedingte und erbliche Ursachen für eine Erkrankung hindeuten. Neueste, auch von der WHO unterstützte, Forschungen (Nanayakkara) haben zudem das Vorkommen einer genetischen Ursache (Einzelnukleotid-Polymorphismen, SNP) nachgewiesen, die einen beträchtlichen Risikofaktor für CKDu darstellt.

6)    Die Konzentration von Arsen in den Gewässern der betroffenen Regionen (Nanayakkara et al) lag zwar über der in nicht verunreinigten Gebieten in Europa und Nordamerika, war jedoch "wesentlich niedriger als die in mit Arsen belasteten Ländern wie Bangladesch und Taiwan gefundenen Konzentrationen." Wiederum 75 bis 80 Prozent des Arsens scheint Arsenobetain (nicht toxisch) zu sein. Obwohl in einigen Gebieten von Bangladesch der Kontakt mit anorganischem Arsen wesentlich höher ist und somit auch offene Manifestationen klinischer Arsenvergiftung und Veränderungen der Nierenfunktion vorliegen, gibt es keine Berichte über CKDu in der Bevölkerung in diesen Gegenden.

7)    Nanayakkara et al. haben auch die Konzentration von 18 Metallen untersucht und dabei das Fehlen von höheren nierenschädigenden Metallwerten im Trinkwasser bestätigt. Auch wurden keine erhöhten Metallkonzentrationen im Urin (unbereinigt) festgestellt. Das Fehlen eines eindeutigen, kausalen Zusammenhangs zwischen CKDu und Metallrückständen im Urin widerspricht der Theorie von sich in der Niere anreichernden Glyphosat-Metall-Komplexen.

Letzte Aktualisierung: 13 August 2014