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Sicherheitsbewertung und Verwendung von Glyphosat-haltigen Herbiziden in Europa

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Analyse

Spuren von Pflanzenschutzmittelrückständen inklusive Glyphosatrückstände in Lebensmitteln auf dem Europäischen Markt
[Auf der Grundlage des 2002 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit veröffentlichten Berichts der Europäischen Union über Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln1]
 
1. Der von der EFSA erstellte Bericht nimmt Bezug auf die Ergebnisse der Kontrollaktivitäten bezüglich Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln, die 2012 in 27 EU-Mitgliedstaaten und zwei EFTA-Staaten (Island und Norwegen) durchgeführt wurden.
2. 2012 wurden über 78.390 Proben aus über 750 verschiedenen Lebensmitteln auf ca. 800 Pflanzenschutzmittel hin getestet.
 
EU-koordiniertes Programm
3. Das Programm sollte statistisch relevante Daten als Messgrößen der MRL2-Überschreitungsrate in Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft auf dem gemeinsamen Markt generieren und zur Schätzung der tatsächlichen Exposition des europäischen Verbrauchers hinzugezogen werden.
4. Im Rahmen des Programms wurden Proben aus 12 verschiedenen Lebensmittelprodukten auf 205 verschiedene Pflanzenschutzmittel untersucht. Bei rund 0,5% der 10.235 Proben wurden unter Berücksichtigung von Messunsicherheiten  die gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte (Maximum Residue Levels – MRL) nicht eingehalten. 59,9% der Proben (6.771 Proben) waren frei von nachweisbaren Rückständen (etwaig vorhandene Rückstände lagen unterhalb der Nachweisgrenze).
5. Die am häufigsten nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel in pflanzlichen Erzeugnissen waren Bromid-Ion (16,1%), Glyphosat (12,2%3 ), Chlormequat (9,68%) und Dithiocarbamat (10,5%). Die EFSA räumte ein, dass die Ergebnisse für Glyphosat und Chlormequat nicht repräsentativ waren, da eine Kontrolle nur für Lebensmittel beantragt wurde, bei denen diese Pflanzenschutzmittel vorwiegend eingesetzt werden. Von den 635 auf Glyphosat analysierten Proben enthielten 78 (12,2%3) nachweisbare Rückstände; keine Proben enthielten jedoch Rückstände oberhalb der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte:
 

 

Proben insgesamt

Nachweise insgesamt

MRL Überschreitungen

% Nachweise

Alle

635

78

0

12,2%3

Blumenkohl

110

1

0

0,9%

Weizen

393

77

0

16,4%

Sonstige*

132

0

0

0%

* Sonstige = Auberginen; Bananen; Brokkoli; Erbesen (ohne Schoten); Paprikaschoten; Tafeltrauben; Olivenöl; Orangensaft

 
6. Glyphosat-Rückstandsgehalte wurden in einer von 110 analysierten Blumenkohl-Proben (0,9 %) und in 77 von 393 analysierten Weizen-Proben (16,4 %) nachgewiesen. In allen Fällen waren die nachgewiesenen Rückstandsgehalte niedriger als die erlaubten  Rückstandshöchstgehalte (MRL)  für Glyphosat; der Gehalt in Blumenkohl (0,09 mg/kg) belief sich auf 90 % des MRL, während der höchste nachgewiesene Rückstandsgehalt in Weizen (3,2 mg/kg) 32 % des MRL betrug.
 
Nationale Programme
7. Die nationalen Kontrollprogramme waren allgemein risikobasiert und konzentrierten sich auf Produkte mit Verdacht auf Pflanzenschutzmittelrückstände oder bei früheren Kontrollprogrammen festgestellten MRL-Überschreitungen. Sie spiegeln den Stellenwert von Lebensmittelerzeugnissen im Handel bzw. in den Ernährungsgewohnheiten einer Nation wider; sie enthalten Produkte mit vorrangig hohen Rückständen oder vereinzelten Nichteinhaltungen der Rückstandshöchstgehalte in den Vorjahren und spiegeln das Verhalten bei der Nutzung von Pflanzenschutzmitteln und Laborkapazitäten wieder. Die Ergebnisse der verschiedenen nationalen Kontrollprogramme sind nicht eins-zu-eins vergleichbar.
8. Die Reichweite der nationalen Kontrollprogramme wich hinsichtlich der Zahl der analysiertenPflanzenschutzmittel (analytisches Ausmaß) und der Zahl der analysierten unterschiedlichen Lebensmittelerzeugnisse erheblich ab. Insgesamt deckten die nationalen Kontrollprogramme nahezu 800 Wirkstoffe oder für die Rückstandsdefinition relevante Metabolite ab. Die Proben wurden auf durchschnittlich 203 verschiedene Pflanzenschutzmittel hin analysiert; in Irland, Luxemburg, Schweden und Deutschland belief sich die Analyse im Schnitt auf mehr als 270 Pflanzenschutzmittel pro Probe.
9. Insgesamt 78.390 Lebensmittelproben wurden erfasst. 70.870 aller Proben waren Beobachtungswerte, die restlichen hingegen bewusste Stichproben. Sie zielen auf Produkte ab, die die gesetzlichen Höchstgrenzen voraussichtlich nicht einhalten würden.
10. 2,9 % der Proben überschritten die gesetzlichen Höchstgrenzen numerisch gesehen für ein oder zwei Pflanzenschutzmittel (2.308 Proben). Insgesamt waren 54,9% der Proben frei von nachweisbaren Rückständen; in 26,1% der Proben waren zwei oder mehr Pflanzenschutzmittel gleichzeitig vorhanden. Berücksichtigt man ausschließlich die Beobachtungswerte (ausgenommen gezielt entnommener Stichproben, die aller Voraussicht nach nicht konform sind), dann enthielten 2,2% der im Jahre 2012 analysierten Proben Rückstände, die die gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte überschritten. Im Falle von Glyphosat wurden bei 9 Trockenlinsen-Proben Rückstände im Bereich von 0,84 bis 10,5 mg/kg nachgewiesen, was einer Überschreitung der für Glyphosat in Linsen festgelegten Rückstandshöchstgehalte (0,1*) entspricht. Die Einfuhrtoleranz für Glyphosat in Linsen (10 mg/kg) war 2012 noch nicht etabliert.
11. Bei unverarbeiteten Produkten, die verstärkten Einfuhrkontrollen unterliegen, wie Basilikum, Okra, Grapefruit, Staudensellerie und Teeblätter konnte eine überdurchschnittliche MRL-Überschreitungsrate beobachtet werden. Auch bei Blattgemüse und frischen Kräutern (z. B. Petersilie, Rucola, Mangold, Feldsalat), Hülsenfrüchten (Erbsen mit Schoten und Bohnen mit Schoten) und bestimmten tropischen Früchten und Gemüse (Papaya, Granatapfel, Mango, Yam, Ananas) wurden überdurchschnittliche MRL-Überschreitungsraten beobachtet.
 
Bewertung von Lebensmittelbedingte Exposition und Risikobwewertung
12. Die EFSA hat die kurz- und langfristige lebensmittelbedingte Exposition berechnet und eine Schätzung der Gesundheitsrisiken infolge von Pflanzenschutzmittelrückständen in und auf Lebensmitteln für den Verbraucher vorgenommen.
13. Im Rahmen einer akuten oder langfristigen Expositionsbewertung wurde die Aufnahme von Pflanzenschutzmittelrückständen über innerhalb eines kurzen Zeitraums verzehrte Lebensmittel – normalerweise im Laufe einer Mahlzeit oder eines Tages – geschätzt. Ebenso geschätzt wurde die Bewertung der chronischen oder langfristigen Exposition zur Quantifizierung der Pflanzenschutzmittelaufnahme durch Verbraucher über einen langen Zeitraum hinweg, was eine lebenslange Exposition vorhersagt. Ein Vergleich der geschätzten chronischen und akuten lebensmittelbedingten Exposition mit den einschlägigen toxikologischen Referenzwerten für die lang- bzw. kurzfristige Exposition (d. h. die annehmbare Tagesdosis (ADI) und die akute Referenzdosis (ARfD)) sind ein Hinweis darauf, ob Verbraucher potenziell gesundheitsgefährdenden Pflanzenschutzmittelrückständen ausgesetzt sind. Ausgehend von den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen lässt sich sagen, dass ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher ausgeschlossen werden kann, sofern die lebensmittelbedingte Exposition niedriger als oder gleich den toxikologischen Referenzwerten ist. Sollte die berechnete Exposition jedoch die toxikologischen Referenzwerte überschreiten, ist eine detailliertere Berechnung zur Prüfung der tatsächlichen Gesundheitsbedenken bei bestimmten Lebensmitteln anzustellen (z. B. realistischere Schätzungen der in essbaren Bestandteilen des Ertrags vorhandenen Rückstände wie beispielsweise die Exposition gegenüber im essbaren Teil von Orangen ohne Schale vorhandenen Rückständen). Wo die detailliertere Berechnung der Exposition die ARfD- oder ADI-Dosis überschreitet, lassen sich mögliche schädliche Wirkungen auf die Gesundheit von Verbrauchern nicht ausschließen.
14. Die Einrichtung einer ARfD war für 40 im EU-koordinierten Kontrollprogramm aufgeführte Substanzen – darunter auch Glyphosat – aufgrund der niedrigen akuten Toxizität der betroffenen Substanzen nicht erforderlich. Diese Pflanzenschutzmittel sind somit für die Bewertung der akuten Exposition nicht ausschlaggebend.
15. Bei 24 Pflanzenschutzmitteln4 in den in der chronischen Expositionsbewertung eingeschlossenen Erträgen/Lebensmitteln wurden keine quantifizierbaren Rückstände berichtet. Aus diesem Grund gilt die langfristige Exposition gegenüber diesen Pflanzenschutzmitteln als vernachlässigbar.
16. Bei weiteren 161 Pflanzenschutzmitteln – darunter auch Glyphosat (0,63% der ADI) – belief sich die geschätzte langfristige Exposition auf weniger als 10% der ADI. Ausgehend von den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen wird gefolgert, dass diese Pflanzenschutzmittel keine langfristigen Risiken darstellen.
17. Bei acht Pflanzenschutzmitteln5 betrug die Exposition mehr als 10 % der ADI. Unter Berücksichtigung des allgemeinen konservativen und in den Berechnungen der lebensmittelbedingten Exposition inhärent verankerten Ansatzes kommt die EFSA zu dem Schluss, dass die lebensmittelbedingte Exposition für die Gesundheit der Verbraucher keinen Anlass zur Sorge darstellt.
18. Bei neun Pflanzenschutzmitteln6, die allesamt nicht in Europa zugelassen sind, konnten messbare Rückstände in Lebensmitteln nachgewiesen werden; eine Bewertung der langfristigen lebensmittelbedingten Risiken konnte hingegen nicht ausgeführt werden, da international vereinbarte toxikologische Referenzwerte für diese Verbindungen nicht verfügbar sind. Die Präsenz ihrer Rückstände in Lebensmitteln kann möglicherweise auf die Langlebigkeit der Pflanzenschutzmittel in der Umwelt oder ihre Verwendung in Drittländern zurückgeführt werden. Die Exposition von Verbrauchern gegenüber diesen Pflanzenschutzmitteln wurde als niedrig eingestuft.
19. Die EFSA schlussfolgerte ausgehend von den Ergebnissen der 2012 durchgeführten Kontrollprogramme, dass die langfristige Exposition gegenüber den im EU-koordinierten Kontrollprogramm (darunter Glyphosat) enthaltenen Pflanzenschutzmitteln, für die toxikologische Daten verfügbar sind, der Gesundheit von Verbrauchern wahrscheinlich nicht schadet. Bei den neun Pflanzenschutzmitteln, für die keine zuverlässigen toxikologischen Bewertungen vorliegen und bei denen Rückstände sporadisch nachweisbar waren, können Gesundheitsbedenken für Verbraucher nicht gänzlich ausgeschlossen werden; angesichts der inhärent konservativen Berechnung und der geschätzten niedrigen Exposition ist ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher nicht sehr wahrscheinlich.
 
1 Erhältlich online: www.efsa.europa.eu/efsajournal
Ein Rückstandshöchstgehalt (MRL) ist die Höchstmenge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die in oder auf Lebens- oder Futtermitteln gesetzlich zulässig ist; der MRL spiegelt die Mengen wider, die bei der Ernte, nach der Lagerung, beim Schlachten oder nach der Verarbeitung vorbehaltlich befugter Anwendung voraussichtlich vorhanden sein werden.   MRL sind Handelsstandards, keine Gesundheits- oder Sicherheitsstandards. 
3 Abbildung 2-2 des EFSA-Berichts auf Seite 12 gibt die Detektionsrate fälschlicherweise als 10,9 % an.
4 Aldicarb, Amitrol, Azinphosethyl, Benfuracarb, Bixafen, Endrin, EPN, Ethoprophos, Formothion, Isocarbophos, Isofenphosmethyl, Isoprocarb, Metconazol, Methoxychlor, Metobromuron, Nitenpyram, Phenthoat, Phoxim, Prothioconazol, Pyrazophos, Pyrethrin, Resmethrin, Rotenon und Triticonazol.
5 Carbofuran, Methidathion, Heptachlor, Diazinon, Pirimiphosmethyl, Dieldrin, Fipronil und Chlorpyrifos
6 Dicrotophos, Diniconazol, Ethirimol, Hexachlorbenzol, α-Hexachlorcyclohexan, β-Hexachlorcyclohexan, Propargit, Prothiofos und Tetramethrin.

Letzte Aktualisierung: 08 Juli 2015