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Metaanalyse bringt Glyphosat mit dem Auftreten von Non-Hodgkin Lymphomen in Verbindung

Es ist kein Einzelfall, dass versucht wurde, einen epidemiologischen Zusammenhang zwischen Glyphosat und NHL herzustellen. Allerdings wurde bis dato weder eine plausible Erklärung für eine ursächliche Wirkung noch ein in toxikologischen Studien erbrachter Beleg geliefert. Aber auch gut konzipierte epidemiologische und Metastudien, bei denen statistische Unterschiede auftreten und konsequenterweise zwischen „Korrelation“ und „Ursache“ unterschieden wird, sind problembehaftet. Epidemiologische und toxikologische Daten werden unter Umständen miteinander korreliert, um mögliche Auswirkungen von Umweltstoffen auf den Menschen erkennbar zu machen. Allerdings gibt es bis heute keine systematische und transparente Vorgehensweise, die Analysen aus diesen beiden Disziplinen zusammenzuführen und damit den Zusammenhang zwischen einem Stoff und dem Auftreten einer Krankheit einheitlich zu interpretieren (Adami et al. 2011):

  • Die Studien von de Roos et al. (2005); Hardell et al. (2002); und McDuffie et al. (2001) berichten von einem erhöhten Risiko, nach dem Kontakt mit Glyphosat an NHL zu erkranken. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass diese Studien einen retrospektiven Ansatz haben und daher besonders anfällig für einen sogenannten "recall bias" bei der Berichterstattung über den Kontakt mit Glyphosat sind. De Roos et al. (2005) geben den "recall bias", als die verzerrte Erinnerung der Probanden, als einen der Gründe für ihre abweichende Beobachtung zu früheren Studien an, die keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und NHL herstellten.
  • Darüber hinaus fehlt es den von Schinasi und M.E. Leon (2014) in der Metaanalyse verwendeten epidemiologischen Studien an direkten toxikologischen Belegen. Während die Metaanalyse die Hypothese, dass Pestizide im Zusammenhang mit NHL stehen, noch stützen mag, fehlt es den Studien an ausreichend qualitativen und quantitativen Informationen über die Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln. Zudem fehlen Angaben über mögliche weitere Risikofaktoren, wie z.B. dem potenziellen Einfluss von Beruf, Umwelt, Lebensgewohnheiten oder genetischen Faktoren, um die exakten Ursachen für die Erkrankung an Blutkrebs zu identifizieren.
  • Obwohl davon auszugehen ist, dass die Metaanalyse durch einen "publication bias", also dem unzulässigen Einfluss von kleineren Studien innerhalb der Metaanalyse, verzerrt wurde, haben Schinasi und M.E. Leon (2014) es versäumt, die Auswirkung eines möglichen "publication bias" in ihrer Metaanalyse zu bewerten.
  • Eriksson et al. (2008) haben eine bevölkerungsbezogene Fall-Kontroll-Studie über den Kontakt mit einer Vielzahl von Pestiziden und NHL oder verschiedenen histeopathologischen Arten von NHL (z.B. B-Zell-Lymphom) durchgeführt. Ein Quotenverhältnis, auch Odds Ratio (OR) genannt, über 1 deutet zwar einen Zusammenhang an, ist jedoch nicht signifikant, wenn das Konfidenzintervall den Nullwert von 1.0 enthält. Eriksson et al. berichten von einem OR von 1,69 bei einer Glyphosat-Exposition von < 10 Tagen und 2,36 bei > 10 Tagen (95 % KI: 0,70-4,07). Die ORs für Latenzzeiten zwischen 1-10 Jahren betrugen 1,11 (95 % KI: 0,24-5,08) bzw. bei > 10 Jahren  2,26 (95% KI: 1,16-4,40). Die Quotenverhältnisse für andere Arten (B-Zell-Lymphome gesamt, Follikuläres Lymphom Grad I-III, diffuses großzelliges B-Zell Lymphom, andere spezifische B-Zell Lymphome, unspezifische B-Zell Lymphome und T-Zell-Lymphome) lagen zwar über 1,0, waren jedoch statistisch nicht signifikant. Daraus folgerten die Autoren, dass "Glyphosat mit einem statistisch signifikant höheren OR für Lymphome in unserer Studie in Verbindung gebracht werden kann...". Diese Interpretation der Studienergebnisse wird jedoch durch diverse potenzielle Probleme beeinträchtigt: Referral, Selection oder Recall (andere Informations-) Bias, der Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs, basiert auf einer äußerst geringen Assoziation und anderen verzerrenden Faktoren wie dem Kontakt mit anderen Pflanzenschutzmitteln (Mink Review).

Referenz der Metastudie:

L. Schinasi and M.E. Leon (2014). Non-Hodgkin Lymphom und berufsbedingte Exposition gegenüber der Chemikaliengruppe Pflanzenschutzwirkstoffe und aktive Inhaltsstoffe: Eine systematische Bewertung und Metaanalyse. (Non-Hodgkin Lymphoma and Occupational Exposure to Agricultural Pesticide Chemical Groups and Active Ingredients:A Systematic Review and Meta-Analysis). Int J Environ Res Public Health; 11(4): 4449–4527.

Letzte Aktualisierung: 13. August 2014