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Sicherheitsbewertung und Verwendung von Glyphosat-haltigen Herbiziden in Europa

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Stellungnahme der Task Force Glyphosat zur Studie im Fachmagazin Entropy

(© iStockphoto.com / Mark Stay).

Ein Fachartikel in der April-Ausgabe des Physikjournals Entropy versucht Belege zu erbringen, dass zwischen Glyphosat und zahlreichen Krankheitsbildern, darunter Autismus, Alzheimer, Fettleibigkeit, Magersucht, Leberkrankheiten, Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen sowie Krebs ein Zusammenhang besteht.
Die Autoren Anthony Samsal und Stephanie Seneff zogen dabei Schlussfolgerungen zu Gesundheits- und Sicherheitsfragen  bezüglich Glyphosat, verfügen jedoch offensichtlich über keine formale wissenschaftliche Ausbildung in den Disziplinen Biologie und Medizin. Darüber hinaus veröffentlichten sie ihren Artikel in einem Fachmagazin für Physik.  Der Artikel wurde daher höchst wahrscheinlich keiner angemessenen wissenschaftlichen Begutachtung („peer-review“) durch Experten aus den relevanten Fachbereichen unterzogen.

Der Artikel reiht verschiedene Beobachtungen aneinander, um daraus mutmaßliche Kausalzusammenhänge zwischen Glyphosat-Exposition und bestimmten gesundheitlichen Auswirkungen abzuleiten.  Zahlreiche dieser Einzelbeobachtungen sind umstritten, nicht korrekt oder nicht ausreichend bewiesen. Es liegen keine toxikologischen Untersuchungen, Experimente oder Beobachtungen vor, die einen Zusammenhang zwischen Glyphosatexposition und der Entstehung der genannten Krankheiten in der Bevölkerung belegen können.
Die Autoren präsentieren somit eine Reihe von ausführlichen Hypothesen über mögliche Mechanismen der Krankheitsentstehung, ohne  entsprechende Belege vorlegen zu können. Stellt sich auch nur eine einzige Annahme oder Verknüpfung bei den einzelnen Hypothesen als falsch heraus, ist die Gesamthypothese hinfällig. Biologische Systeme sind hochkomplex. Dennoch werden  von den Autoren keine alternativen Hypothesen zu möglichen Ursachen  überprüft.

Ähnliche hypothetische Wirkzusammenhänge können jedoch auch für zahlreiche andere Umwelt-Faktoren entwickelt werden. Der ausschließliche Fokus der Autoren auf Glyphosat - ohne Berücksichtigung anderer denkbarer Umwelteinflüsse als mögliche Ursache -  scheint beliebig gewählt und durch wissenschaftliche Argumente kaum gestützt. Die Autoren behaupten zum Beispiel, dass Glyphosat die Wirkung von Darmbakterien beeinträchtigen würde. Sie berücksichtigen hierbei aber nicht, dass die gleiche Annahme auch auf eine Reihe von anderen antimikrobiellen Stoffen und Desinfektionsmittel zutrifft. Ähnlich stellt sich die Situation bezüglich der Argumentation der Autoren dar, dass Glyphosat Cytochrom-Systeme inhibieren kann. Die generelle Fähigkeit von Glyphosat, Cytochrom-Systeme hemmen zu können, muss stark angezweifelt werden (in der Diskussion sind hierbei lediglich eine begrenzte Zahl von Pflanzenenzymen, eine entsprechende Wirkung bei Säugetieren ist nicht nachgewiesen). Menschen sind zudem einer Vielzahl an Cytochrom-Hemmern ausgesetzt, beispielsweise durch Medikamente, Ernährung (beispielsweise in Grapefruit) und durch anderen Umweltquellen.

Oberflächlich betrachtet wartet der Artikel mit reichlich wissenschaftlichen Inhalt und einer großen Anzahl an Literaturhinweise auf. Allerdings basiert die Herangehensweise der Autoren auf kaum haltbaren hypothetischen Zusammenhängen. Der Artikel präsentiert keine neuen Daten und ist von mangelhafter wissenschaftlicher Qualität, so dass er keine brauchbaren Informationen zur Sicherheit von Glyphosat liefert. Da die rein hypothetischen Zusammenhänge mit Glyphosat genauso mit einer Vielzahl von andern Ursachen erklärt werden könnte und die postulierten Zusammenhänge bisher weder im Labor noch in Bevölkerungungsgruppen beobachtet wurden, sollten die Ergebnisses dieses Artikels als reine Spekulationen betrachtet werden.

Nützliche Informationen:

  • Glyphosat hat eine geringe Säugetiertoxizität, da der entsprechende Stoffwechselweg nur bei Pflanzen, aber nicht bei Tieren vorkommt.
     
  • Viele der Behauptungen der Autoren basieren auf in vitro Experimenten mit bestimmten Zelltypen oder bestimmten Bakterienpopulationen.  Die Schlussfolgerungen dieser Studien sind durch umfangreiches Datenmaterial aus Tierversuchen, Feldversuchen unter realen Umweltbedingungen sowie jahrzehntelanger, erfolgreicher Verwendung von Roundup-Herbiziden in der Unkrautbekämpfung weltweit widerlegt.
     
  • Zahlreiche Behörden sind zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat ein vertretbares Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt. Dieselben Behörden befinden in vitro Studien für regulatorische Entscheidungen als nur sehr begrenzt verwendbar. Zum einen, weil sie nicht die realistischen Expositionsbedingungen von Glyphosat bei Tieren und Menschen widerspiegeln und zum anderen, weil sie auch nicht die physiologischen Barrieren (Absorption, Stoffwechsel, Exkretion) berücksichtigen, die eine Exposition mit Glyphosat deutlich vermindern.
     
  • Die Behauptung, dass Cytochrom(e) P (CYP)-Enzyme gehemmt würden, ist wissenschaftlich nicht untermauert. Die Zulassungsbehörden stufen dieses Argument daher als nicht relevant für die Risikobewertung bei Menschen ein. Umfangreiche Dokumentationen über die Sicherheit von Glyphosat für Mensch und Umwelt haben gezeigt, dass es keine Anzeichen für Auswirkungen auf Cytochrom(e) P450 mit nachteiligen Effekten gibt.
     
  • Die Andeutung, dass die Phenylalanin-Ammoniak-Lyase (die aus Phenylalanin Ammoniak freisetzt) mit verschiedenen Gesundheitsstörungen wie beispielsweise Autismus (erhöhte Ammoniakkonzentrationen im Darm werden mit Autismus in Zusammenhang gebracht) zusammenhängt, ist unbegründet.
     
  • Das selektive Zitieren von bestimmter Literatur, in der ausschließliche nachteilige Effekte von Glyphosat präsentiert werden, könnte das Ergebnis von Parteilichkeit oder einem nicht offengelegten Interessenskonflikt der Autoren sein.

 

Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2013