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Sicherheitsbewertung und Verwendung von Glyphosat-haltigen Herbiziden in Europa

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Prop 65-Liste: OEHHA ignoriert die eigene Sicherheitsbewertung

Die kalifornische Umweltbehörde OEHHA (Office of Environmental Health Hazard Assessment) hat am 26 Juni angekündigt, Glyphosat auf die sogenannte Proposition 65-Liste zu setzen. Hier werden Chemikalien mit krebserregender Wirkung gelistet.

Proposition 65 (Prop 65) ist ein seit 1986 in Kalifornien gültiges Auskunftspflichtgesetz. Laut OEHHA werden in der Prop 65-Liste automatisch alle von der Internationalen Behörde für Krebsforschung (IARC) als krebserregend identifizierten Substanzen (Gruppe 1, 2a und 2b) aufgeführt. Diese Substanzen werden dadurch nicht verboten oder in ihrer Nutzung eingeschränkt. Aber Unternehmen müssen Warnhinweise geben, damit eine „wesentliche Belastung“ mit solchen Substanzen vermieden werden kann. Solche Warnhinweise können z.B. auf Produktetiketten erscheinen.

Die Aufnahme von Glyphosat in die Prop 65-Liste ist lediglich Folge der fehlerhaften Klassifizierung des Wirkstoffes durch die IARC. Diese Entscheidung steht im direkten Widerspruch mit der eigenen Sicherheitsbewertung der OEHHA, die sich den Bewertungen der US-Umweltbehörde EPA, der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA und anderen Zulassungsbehörden weltweit angeschlossen hat: Glyphosat besitzt keine krebsauslösenden Eigenschaften.

Die Europäische Glyphosate Task Force (GTF) stellt die Grundlagen der OEHHA-Entscheidung aus den folgenden Gründen in Frage:

  • Die Behörde ignoriert ihr eigenes wissenschaftliches Gutachten zum Wirkstoff
  • Es gab im Vorfeld keine Gelegenheit für eine öffentliche oder wissenschaftlich basierte Kommentierung dieser Entscheidung
  • Die Listung erfolgt automatisch auf Basis der IARC-Klassifizierung ohne weitere Kontrollen, Abwägungen oder Überprüfungen der zugrunde liegenden Informationen.

Vor allem stellte sich kürzlich heraus, dass bei der IARC-Klassifizierung relevanten Daten ignoriert wurden, die einer krebserregenden Wirkung von Glyphosat widersprechen: Der Vorsitzende des für die Bewertung von Glyphosat zuständigen IARC-Komitees, Dr. Aaron Blair, war an der sogenannten Agriculture Health Study (AHS) beteiligt. Blair war mitverantwortlich für die Entscheidung, dass wichtige Daten daraus nicht veröffentlicht wurden. Er gab unter Eid an, dass die zurückgehaltenen Studienergebnisse die Bewertung von Glyphosat durch die IARC wesentlich geändert hätten (weitere Informationen dazu).

Die Glyphosate Task Force ist über das Vorgehen der OEHHA enttäuscht. Unter diesen Umständen hätte die Behörde ihre Vorgehensweise überdenken müssen, alle Substanzen gemäß IARC-Klassifizierung automatisch in die Prop 65-Liste aufzunehmen. Dass die Behörde dabei auch noch ihre eigene wissenschaftliche Bewertung des Wirkstoffes ignoriert, überrascht umso mehr.

Die GTF fordert daher die OEHHA auf, Glyphosat umgehend aus der Prop 65-Liste zu entfernen und weitere Entscheidungen erst nach Abschluss der Untersuchungen zu den Vorgängen bei der IARC zu treffen.


Letzte Aktualisierung: 03 August 2017